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Ein offener Brief an die Occupy-Bewegung

By Brent Schulkin February 6, 2012

 
 
 
The response to our Open Letter To The Occupy Movement was so big that several leading Carrotmob organizers and friends in Germany have translated it! Here is the German version, with many thanks to Angela Franke, Jörn Hendrik Ast, Martin TerberGerrit Jessenand Rene Steinrücken….
 
Die Occupy-Bewegung ist ein brodelnder Kessel. Erfreulicherweise ist die Küche voller Köche, die ihre eigenen Zutaten mitbringen. Ideen, Ziele, Projekte und lokale Gewürze. Obwohl viele Gäste ihre Nase über den Kessel recken um zu erschnüffeln, was da kocht, stellen viele Menschen vernünftige und wichtige Fragen zu diesem Gericht. Was ist das Rezept? Seid Ihr gute Köche? Wo ist das Fleisch?
 
Ich kenne das Rezept nicht, ich habe die letzten 8 Jahre mit intensiven Nachdenken verbracht um herauszufinden, was auf jeden Fall in diesem Schmelztiegel des globalen Wertewandels hineingehört: Karotten.
 
Ich bin der Gründer der Carrotmob-Bewegung, die binnen kürzester Zeit zu einem globalen Phänomen der authentischen Nachhaltigkeitsbewegung geworden ist. Ein Carrotmob ist eine völlig neue Aktionsform, die aktiv auf Unternehmen zugeht und diese positiv beeinflusst. Wir laden dabei die Unternehmen ein, einen wie auch immer gearteten sozio-ökologischen Beitrag gemeinsam mit unseren globalen Carrotmob Teams zu leisten. Die UnternehmerInnen, die wir gewinnen können und unseren Bedingungen zustimmen, belohnen wir mit Ihrer eigenen Spende. Es handelt sich um das Gegenteil von einem Boycott - Aber lasst mich erläutern, warum das auch Occupy angeht.

Die Occupy Bewegung erhebt viele Vorwürfe, unter anderem ungerechte Finanzpolitik, krasse Einkommensunterschiede, Arbeitsplatzmangel. Wir haben diese Probleme, weil die Politik stärker von Wirtschaftsinteressen beeinflusst ist als von den menschlichen Interessen /Bedürfnissen des Einzelnen. Unternehmen sind zwar Rechtsformen, dennoch haben wir noch keine effektive Regularien gefunden, mit der wir der finanziellen Übermacht der Unternehmen entgegensteuern können - und das, obwohl es sieben Milliarden Menschen auf der Welt gibt. Konzerne sind zwar legale Wirtschaftsformen/Unternehmungen, allerdings haben wir trotz einer Weltbevölkerung von 7 Milliarden kein wirksames Gegengewicht zu der finanziellen Übermacht der Unternehmen. Das muss sich ändern.

 
Lasst uns den Grund dieser Probleme deutlich machen. Es geht nicht wirklich um reiche Menschen oder Geschäftsführer. Unsere Probleme werden nicht von Bösewichten erzeugt, die uns verletzen wollen. Große Firmen sind voll von guten Menschen. Menschen wie wir. Bussinessmenschen arbeiten einfach hart daran, das zu erreichen, was auch immer das System als Ziel vorgibt. Viele Vorstandsvositzende wollen vielleicht Gutes tun, aber sie können nur das tun, was das System ihnen erlaubt. Menschen die Schuld zu geben lenkt uns von dem großen Bild ab. Fokussier das System. Ich glaube unser ökonomisches System hat einen Designfehler und ich glaube wir können ihn reparieren. Also, selbst wenn viele von der Occupy-Bewegung verlangen, sich genauer auf spezifische Forderungen festzulegen, bitte ich dich dir ein größeres Bild zu machen und über dieses übergeordnete, kritische Problem nachzudenken:
 
Menschen sollten mehr Macht als Unternehmen haben, aber das haben sie nicht. 
 
Wie können wir zu einer Lösung kommen? Nun, durch die Geschichte hindurch versuchten immer wieder Bürger die Oberhand über die Unternehmen zu gewinnen: Die Boston Teaparty. Die Arbeiterbewegung. Sozialismus. Boykotts. Proteste. Petitionen. Prozesse. Demonstrationen. Ihr kennt das, manch einer hat es selbst versucht. Einige dieser Bewegungen waren erfolgreich, andere nicht. Nichts jedoch war erfolgreich genug, um uns vor der jetzigen Realität zu bewahren: Die Konzerne sind/ist mächtiger als je zuvor und die Menschen fühlten sich noch nie so machtlos.
 
Wir sollten aufhören die Wirtschaft als piñatas anzusehen, sondern sie vielmehr als Esel zu betrachten. 
 
Aktivisten halten Konzerne für piñatas. Sie schweben über uns, weit außerhalb unserer Reichweite und um uns von unserem Zorn zu entlasten, prügeln wir mit dem Stock. Geblendet und schwindelig vor Wut über die letzte Ungerechtigkeit, schießen wir um uns in der Hoffnung ein Bein oder einen Kopf zu treffen und wenn wir Glück haben, fallen ein paar Bonbons ab, die von den Menschenmassen verschlungen wird. Das würde vielleicht wirksam sein, wenn die piñatas klein wären und aus Pappmaché, aber in diesen Tagen sind diese piñatas gigantische, bonbon-gefüllte Todessterne aus doppelt gehärtetem Quadanium-Stahl. Millionen Menschen mögen mit ihren kleinen Stöcken irgendwann einen Durchbruch erzielen, aber ganz ehrlich, es ist Zeit für eine ergänzende Taktik.
 
Lasst uns also die Wirtschaft als einen Esel denken. Esel sind stärker als Menschen. Wenn sie also gutmütig Lasten für Menschen ziehen, können wir mehr erreichen als jemals ohne sie. Aber irgendwann geht ein Esel in unseren Garten, frisst alle unsere Blumen und dann schiebt er die Schuld auf die Schafe. Und verdammt, die sind störrisch. Welches ist der Trick mit Eseln umzugehen? Nun, die Alten sagen, da gebe es zwei Möglichkeiten, einen Esel zum Vorwärts-Gehen zu bewegen. Entweder Du schlägst ihn von hinten mit dem Stock oder Du hängst ihm eine köstliche Karotte vor die Nase. Esel sind einfache Geschöpfe, die auf Anreize reagieren. Konzerne sind genauso einfach. Da mögen brillante und komplexe Persönlichkeiten diese Unternehmen leiten, aber ist ein Unternehmen erst einmal groß genug, ist die Entscheidungsfindung denkbar einfach: Konzerne werden sich immer dafür entscheiden, was ihnen das meiste Geld einbringt. Das ist sowohl das Problem als auch die Lösung.
 
Gemeinsam verfügen wir über geradezu lächerlich viel Geld. Wenn wir unsere Ausgaben als Gruppe organisieren, dann wird unser Geld die größte und mächtigste Karotte, die Ihr Euch vorstellen könnt, groß genug für den störrischsten Esel. Hier sind einige Beispiele für das, was wir tun können:

  • Unser Mob hat $10 Millionen für Badeseifen auszugeben: Dove, Dial, Ivory: Wer von Euch bereit ist, Eure Fabriken mit jobschaffenden Windturbinen auszurüsten, bekommt unsere 10 Millionen.
  • Unser Mob kann $25 Millionen für Süßigkeiten an Halloween ausgeben.Nestlé, Mars, Hershey: Wer von Euch Armut bekämpft, indem er mehr Fairtrade-Kakao verwendet, der bekommt unsere $25 Millionen.
  • Unser Mob hat $50 Millionen für Abendessen. Applebees, TGI Fridays, Red Lobster: Wer von Euch aufhört, eine gefährdete Fischart zu servieren, bekommt $50 Millionen.
Wir haben schon die finanzielle Macht, es wirklich werden zu lassen, aber um diese Macht wirksam werden zu lassen, müssen wir uns organisieren. Carrotmob-Gründer überall auf der Erde organisierten bisher schon 175 erfolgreiche Aktionen um kleine lokale Unternehmen zu verändern. Bald haben wir vor unsere ersten Kampagnen um größere Unternehmen dafür zu belohnen, dass sie Gutes tun. Ich lade Euch alle ein, diesem Mob beizutreten, um eine Organisation aufzubauen, die wir brauchen, um unsere Energie für die nächste Stufe zu bündeln.
 
Da muss noch etwas angesprochen werden, denn dies ist ein Brief an die Occupy-Bewegung. Occupy, Du bist wütend. Aus gutem Grund. Es braucht ein psychologisches Umdenken vom Angreifen zum Belohnen von Unternehmen. Bei mir dauerte es einige Jahre, diesen Wandel zu vollziehen. Ich bin marschiert, ich habe boykottiert. Ich habe auf Versammlungen gesprochen. Ich habe Petitionen unterschrieben. Ich war in der vordersten Reihe, die Polizei beim Pfeffer-Sprayen gegen meine Freunde filmend. Im College habe ich sogar einige Dutzend Leute zusammen getrommelt um in der Mitte des Campus aus Protest zu zelten. So verstand ich meine Aufgabe. Aber nun nach Jahren meiner Beschäftigung mit der Carrotmob-Idee, weiß ich, dass es nur eine Möglichkeit gibt, diese Aufgabe zu lösen. Lasst mich Eure Erwartungen formulieren:
 
Der Carrotmob wird niemals irgendein Unternehmen kritisieren oder angreifen, egal aus welchem Grund. Das brauchen wir nicht, weil schon viele andere das getan haben. Die Stärke unseres Modells ist, dass jeder gewinnt. Jedes Unternehmen kann sich in einem Gespräch mit uns sicher fühlen. Mit Carrotmob im Gespräch zu sein darf niemals ein Risiko für ein Unternehmen sein, nur eine Gelegenheit. Dies wird funktionieren, weil die Marketing-Verantwortlichen der Firmen begeistert unsere Anrufe entgegen nehmen werden. Das ist Kapitalismus. Das ist Marketing. Kunden-Akquisition. Kosten pro Anzeige. Angebot und Nachfrage. Es muss dieser Weg sein. Große Konzerne interessieren sich nicht für unsere moralischen Argumente. Sie interessieren sich für Geld. Also geben wir ihnen Geld. Sogar mehr Geld als sie schon haben. Und was bekommen wir zurück? Macht. Macht, die wir seit Jahrzehnten verloren haben. So sehr Unternehmen ihre Macht genießen, so freudig werden sie Macht abgeben und überlassen uns Dinge auf unsere Art zu tun, wenn ihnen das hilft mehr von unserem Geld zu bekommen. So ist also meine Frage an Occupy: Möchtet Ihr lieber Unternehmen bestrafen und immer wieder die gleichen alten Misserfolge erleben, oder wollt Ihr den Unternehmen Zuneigung zeigen und beispiellose Macht erringen und Einfluss auf die Wirtschaft gewinnen? Gefällt Euch dieses Modell?
 
Carrotmob als Organisation muss den Prügel vollkommen zurückweisen. Aber eine persönliche Anmerkung, ich bitte keinesweg Euch alle, den Stock nieder zu legen. Unsere gesellschaftlichen Probleme erfordern Protest. Friedlicher Protest rückt Probleme ins Licht. Wenn jeder die Probleme erkannt hat, braucht wir Lösungen. Welches sind die Lösungen? Die Regierung abzuwählen ist eine Lösung. Die Unternehmen zu verändern durch Abstimmen mit Eurem Geld, ist eine andere.
 
Eure Wut ist ein Geschenk. Benutzt es. Aber in der Zeit dazwischen füttert all das Positive, das Ihr im Schatten Eures Zornes finden könnt. Lasst uns eine große Karotte ziehen, fügt sie dem Gericht hinzu und probiert, wie es schmeckt.
 
Brent Schulkin
Founder of Carrotmob
 
 
ps: Das oben beschriebene System wird kommen oder nicht. Unser Erfolg oder aber unser Versagen hängt ab von einer einfachen Tatsache: Wie groß ist unser Mob. Diesen Brief nur zu lesen, stärkt/vergrößert den Mob nicht. Das Einzige, was wichtig ist, ist, ob Du den Knopf drückst und Dich uns anschließt, JETZT:



 

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